Stadtchronik von 1989-1995

Stadtchronik Teil:  10  ||   1. | 2. | 3. | 4. | 5. | 6. | 7. | 8. | 9.   Teil  ||   Auswahlseite
Jahr Ereignis
1989

Aufbruch in eine neue Zeit
(Oktober) Die Krisensituation auf allen Gebieten wird immer offensichtlicher. Möglichkeiten und dringende Erfordernisse einer grundlegenden politischen Reform in Richtung Demokratisierung und Freizügigkeit werden trotz immer drängenderer Forderungen der Bürger durch die Partei- und Staatsführung negiert. Starres Festhalten am Führungsanspruch, Kriminalisierung Andersdenkender, Verschleierung von Mißständen, Mißachtung der Mündigkeit der Staatsbürger und Machtmißbrauch führen auch in Erfurt zu einem immer größeren Schwund des Vertrauens zu den Partei- und Staatsorganen. Als Ungarn den "Eisernen Vorhang" an seiner Grenze zu Österreich beseitigt hat, beginnt eine Massenflucht auch von Erfurtern über Ungarn. Der Exodus setzt sich nach dem 9. November fort. Insgesamt verlassen 1989 4.000 Erfurter Bürger ihre Heimatstadt.

1989

(Oktober/November) Bildung zahlreicher Bürgerinitiativen wie "Neues Forum", "Demokratischer Aufbruch", "Demokratie jetzt", "Frauen für Veränderung", "Die Grünen" sowie demokratischer Parteien wie die SPD mit dem Ziel einer grundlegenden Demokratisierung der Gesellschaft in der DDR.

1989

(24.-28. Oktober) Die anschwellende Protestbewegung mündet in Demonstrationen und Kundgebungen. Kirchliche Vertreter und die Bürgerbewegung erzwingen die Aufnahme des Dialoges zwischen Bürgern und dem Rat der Stadt. Im vollbesetzten Stadtverordnetensaal des Rathauses kommt es zu kontroversen Diskussionen zwischen den Vertretern der Bürgerbewegung und der Oberbürgermeisterin. Ein weiterer derartiger "Bürgerdialog" mit führenden Vertretern der Stadt und des Bezirkes findet am 28. Oktober in der Thüringenhalle statt.

1989

(26. Oktober) Nach Friedensgebeten in Kirchen, z.B. in der Prediger-, der Michaelis-, der Lorenz-, Wigbert- und Kaufmannskirche fordern Zehntausende von Erfurtern auf dem Domplatz eine sofortige demokratische Erneuerung. Auf den nun regelmäßig stattfindenden Donnerstagsdemonstrationen werden immer weiter reichende politische Forderungen nach Reform und Veränderung des Systems gestellt. Alle weiteren politischen Schritte stehen nun im Zeichen der Massenforderung "Wir sind ein Volk".

1989

(9. November) Die Nachricht von der Öffnung der Grenze erreicht viele Erfurterinnen und Erfurter während der Demonstration auf dem Domplatz. Am folgenden Tage stehen Tausende vor der Volkspolizei am Schützenhaus Schlange, um ein Visum zu erhalten.
PS.: Ich erfuhr die Nachricht auf Arbeit (VEB Kombinat Mikroelektronik "Karl Marx" Erfurt), wo wir nach der Nachtschicht am 10. November frühmorgens zu viert mit dem Trabant gleich nach Eschwege/Hessen fuhren.

1989

(19. November) Über 20.000 Einwohner demonstrieren auf Initiative von Erfurter Künstlern und Kulturschaffenden für eine konsequente demokratische Umgestaltung.

1989

(27. November) Nach dem Rücktritt von Rosemarie Seibert (SED) wird Siegfried Hirschfeld (SED) zum Oberbürgermeister der Stadt Erfurt berufen (ausgeschieden am 30. Mai 1990).

1989

(4. Dezember) Bürgerinitiativen erzwingen die Kontrolle über das Gebäude der Bezirksbehörde des Ministeriums für Staatssicherheit in der Andreasstraße. Die Bürgerwache wird gebildet.

1989

(5. Dezember) Offizielle Gründung eines Bürgerkomitees, bestehend aus 10 Fraktionen (Neues Forum, Demokratischer Aufbruch, LDPD, NDPD, SPD, CDU, Grüne Partei, Bürgerinitiative "Frauen für Veränderung", DBD und Vertreter der evangelischen und der katholischen Kirche).

1989

(10. Dezember) Zehntausende von Bürgern bilden einen "Bürgerwall" entlang der ehemaligen inneren Stadtmauer, um dem Verfall und dem drohenden Abriß des historischen Stadtkerns entgegenzutreten.

1989

(13. Dezember) Auf Einladung des Propstes Dr. Falke und der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Thüringen sowie des Bischöflichen Amtes Erfurt-Meiningen wird in der Augustinerkirche ein "Runder Tisch" des Bezirkes unter Beteiligung von Vertretern der politischen Parteien, der Organisationen und der Bürgerbewegungen gebildet. Am folgenden Tag entsteht ein "Runder Tisch" in der Stadt Erfurt.

1990

(7. Februar) Auflösung der Stadtverordnetenversammlung und Bildung eines Interimsparlaments, dem je fünf Vertreter aller Parteien, Organisationen und Bürgerbewegungen des "Runden Tisches" angehören. Das Interimsparlament tritt erstmals am 21. Februar zusammen.

1990

(18. März) Erste demokratische Wahlen zur Volkskammer. Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU), und Außenminister Hans-Dietrich Genscher (F.D.P.) (20. Februar), sowie der Präsident der Sozialistischen Internationalen und Ehrenvorsitzende der SPD, Willy Brandt (3. März) sprechen auf Wahlveranstaltungen in Erfurt.

1990

(24. April) Auftaktveranstaltung zur bautechnischen Hilfe des Bundeslandes Rheinland-Pfalz "Hilfe für Thüringen" auf dem Erfurter Fischmarkt.

1990

(30. Mai) Auf der ersten Sitzung der Stadtverordnetenversammlung, die am 6. Mai aus freien demokratischen Wahlen hervorgegangen ist, werden Manfred O. Ruge (CDU) zum Oberbürgermeister und Dietmar Schuhmacher (SPD) zum 1. Bürgermeister gewählt. Zum Ratspräsidenten wird Karl-Heinz Kindervater (CDU) gewählt.

1990

(3. Oktober) Die Deutsche Demokratische Republik tritt nach Artikel 23 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland bei und hört damit auf zu existieren. Die Teilung in zwei Staaten, welche über 40 Jahre gedauert hat, ist beendet.

1990

(29. Oktober) Nach dem Ende der Teilung Deutschlands (3. Oktober 1990) nehmen die Fluglinie Erfurt-Berlin (Tempelhof) und die Linie Erfurt-Frankfurt/Main der Deutschen Lufthansa vom Flughafen Erfurt-Bindersleben den Betrieb auf.

ab 1990

Die Gestaltung und Rekonstruktion der historischen Erfurter Innenstadt schreitet hoffnungsvoll voran. Zahlreiche Notsicherungen von denkmalgeschützten Häusern werden eingeleitet. Am 25. Juli findet das erste Richtfest im Sanierungsgebiet Andreasviertel, nämlich beim Gebäude Andreasstraße Nr. 34 statt.

ab 1990

Sicherung, Sanierung und Rekonstruktion des bedeutenden Denkmals der Festungsbaukunst Zitadelle Petersberg.

1991

(10. Januar) Erfurt wird wieder Landeshauptstadt. Der Thüringer Landtag entscheidet sich mehrheitlich (49 von 88 Abgeordneten) für Erfurt als Landeshauptstadt Thüringens.

1991

(4. Oktober) Von den 2.466 Thüringer Betrieben unter Verwaltung der Treuhand wurden bisher 620 privatisiert. In Erfurt sind von 600 Unternehmen und Teilunternehmen 190 verkauft bzw. privatisiert.

1991

(12. Oktober) Aus Anlaß des 100. Jahrestages des Erfurter Parteitages der SPD führt der Ortsverband Erfurt (SPD) eine Woche der SPD durch (Eröffnungsveranstaltung auf dem Anger, wissenschaftliche Symposien und kommunalpolitische Gespräche der SPD).

1991

(5. November) Beginn des Abrisses in der Bahnhofstraße 38 ("Storchennest") Ecke Gartenstraße, für einen Neubau der Dresdner Bank, der dazu Flächen für mehrere Läden bieten soll.

1991

(4. Dezember) Mit dem Anbringen einer Gedenktafel am ehemaligen Gebäude der Stasi-Bezirksbehörde Erfurt in der Andreasstraße, die an die Besetzung am 4. Dezember 1989 erinnert, vollzieht das Bürgerkomitee seine letzte Handlung und löst sich auf.

1991

(31. Dezember) Veranstaltung zur Überleitung in das Jubiläumsjahr der Stadt auf dem Domplatz mit Musik, Lasershow und Feuerwerk unter dem Motto: "Gloriosa - Erfurt unter Licht".

1992

Unter dem Leitgedanken "Aufbruch zum Selbstverständlichen - Erfurt 1250 Jahre in der Mitte Europas" begehen die Bürger und ihre Gäste die Wiederkehr der ersten urkundlichen Erwähnung Erfurts. (1. Januar) Eröffnung des Erfurter Jubiläumsjahres mit einem Festkonzert in der Lutherkirche, Festansprache des Oberbürgermeisters Manfred O. Ruge.

1992

(4. Januar) Enthüllung einer Gedenktafel an der ehemaligen Universitätskirche, der Michaeliskirche, zum Beginn der Feierlichkeiten zum 600. Universitäts-Jubiläums. Gründung der "Universitätsgesellschaft e.V. - Gesellschaft zur Förderung der europäischen Universität Erfurt".

1992

(20. Januar) (50. Jahrestag der Wannseekonferenz) Am Westeingang des Hauptbahnhofes wird eine Gedenktafel zur Erinnerung an die Erfurter Juden angebracht, die vom Bahnhof der Stadt in die Vernichtungslager transportiert worden sind.

1992

(17. März) Gründung der deutsch-japanischen Gesellschaft Erfurt e.V., die sich zu Ehren des 1865 in Erfurt geborenen Begründers der akademischen Japanologie in Deutschland "Karl-Florenz-Gesellschaft" nennt.

1992

(19. März) Erste Demonstrationen der Mitarbeiter und Studenten der Medizinischen Akademie Erfurt, welche für die Erhaltung der Medizinischen Akademie als Hochschuleinrichtung eintreten.

1992

(7.-10. April) Festtage "500. Geburtstag des Rechenmeisters Adam Ries".

1992

(1.-10. Mai) Festwoche zum 600. Gründungsjubiläums der Alten Erfurter Universität. Entüllung einer Gedenktafel am Collegium maius und Festversammlung der Universitätsfreundschaftsgesellschaft im Festsaal des Rathauses (1. Mai). Festakt der Stadt und der Universitätsgesellschaft im Auditorium coelicum des Doms (2. Mai). Akademischer Festakt der MAE (4. Mai). Straßenfest in der Allerheiligenstraße im historischen Universitätsviertel (9. Mai).

1992

(4.-7. Juni) Internationale Waidausstellung auf der ega. Wissenschaftler aus acht Ländern beschäftigen sich mit der Geschichte und den gegenwärtigen und zukünftigen Nutzungsmöglichkeiten der Pflanze.

1992

(17. Juni) Dr. Lorenz Drehmann (1915-1992), Vorsitzender der Vereinigung "Heimattreue Erfurter", wird auf Beschluß des Rates der Stadt Ehrenbürger der Stadt Erfurt.

1992

(21. Juni) Zum Auftakt der Festwoche anläßlich des Stadtjubiläums findet eine festliche Sitzung des Erfurter Rates in der Augustinerkirche statt. Die Festansprache hält der Präsident des Rates Karl-Heinz Kindervater. Weiter sprechen der derzeitige Bundesratspräsident Dr. Bernd Seite, der Minister für Wissenschaft und Kultur Dr. Ulrich Fickel und der Oberbürgermeister der Stadt Mainz Hermann Hartmut Weyel.

1992

(23. Juni - 24. Juli) Historische Konferenz "Erfurt - Geschichte und Gegenwart. Bindungen und Verbindungen in Deutschland und Europa", veranstaltet vom Magistrat der Stadt und vom Verein für Geschichte und Altertumskunde von Erfurt aus Anlaß des Doppeljubiläums der Stadt und der Universität.

1992

(27. Juni) Höhepunkt des Stadt- und Universitätsjubiläums mit dem historischen Festumzug, der in 36 Bildern wichtige historische Abschnitte und Ereignisse, Persönlichkeiten und Institutionen darstellt (über 3.000 Mitwirkende). Am folgenden Tag wird die Festwoche mit einem historischen Bürgerfest fortgesetzt.

1992

(5. Juli) Erfurt bekommt Erdgas. Mit dem Anzünden einer Erdgasfackel in Erfurt-Dittelstedt gibt Oberbürgermeister Manfred O. Ruge das Zeichen für den Beginn der Umstellung der städtischen Gasversorgung.

1992

(16. Juli) Prof. Dr. Erich Kleineidam empfängt aus den Händen des Thüringer Ministerpräsidenten Dr. Bernhard Vogel das Bundesverdienstkreuz. Er wird für sein Wirken zugunsten der Stadt Erfurt und ihres geistigen und wissenschaftlichen Klimas geehrt.

1992

(29. August) Festliche Wiedereröffnung des Erfurter Ratsgymnasiums mit einem Gottesdienst in der Predigerkirche. Die Schule findet eine neue Unterkunft in der Meister-Eckehart-Straße.

1992

(4.-6. September) Treffen der "Heimattreuen Erfurter" in Erfurt. Dieses erste Treffen in der Stadt, der dieser 1960 gegründete Verein treu geblieben ist, ist zugleich das letzte Vereinstreffen. Der Verein löst sich zun Jahresende auf.

1992

(5. September) Oberbürgermeister Manfred O. Ruge übergibt die restaurierte Minerva auf dem Domplatz der Erfurter Bevölkerung. Die Vereinigung "Heimattreuer Erfurter" hat die Kosten der Restaurierung getragen.

1992

(11. Oktober) Feierliche Eröffnung der Edith-Stein-Schule und damit Wiedereröffnung der 1938 geschlossenen Schule des Ursulinenklosters in Erfurt als einer offenen christlichen Schule in Trägerschaft der katholischen Kirche.

1992

(30. Oktober) Die "Neue Mühle" in der Schlösserstraße als technisches Denkmal und Mühlenmuseum eröffnet. Die jüngste museale Einrichtung der Stadt erinnert an die einstmals mehr als 60 Wassermühlen an den Ufern der Gera und an angelegten Wasserläufen.

1992

(12. November) Die Landesregierung und der Landtag von Thüringen beschließen die Umstrukturierung der Medizinischen Hochschule Erfurt.

1992

(Dezember) Die Stadt hat zum Jahresende 203.000 Einwohner. Nachdem Erfurt 1988 seine größte Einwohnerzahl mit 220.328 aufgewiesen hatte, ist diese bis zum Jahresende 1991 um 7,6 % auf 205.812 Einwohner zurückgegangen. Seit Sommer 1992 wieder leichter Anstieg.

1993

(1. Februar) Das Land Thüringen setzt Dr. Klaus Dieter Wolff als Gründungsbeauftragten für die Erfurter Universität ein. Er plant, die Erfurter Universität zunächst als geisteswissenschaftliche Hochschule mit etwa 6.000 Studenten zu begründen. Die Strukturkommission für die Universität Erfurt mit ihrem Vorsitzenden, Prof. Dr. Hermann Lübbe von der Universität Zürich, wird am 1. Juni 1993 berufen.

1993

(11. März) Abrißarbeiten am Kaffeetrichter (Ecke Schillerstraße / Arnstädter Straße): Das Gebäude, in welchem ehedem ein bekanntes Erfurter Café untergebracht war, weicht einem Büroneubau.

1993

(9. April) Das "Germania-Haus" in der Neuwerkstraße, das 1895 als Kaufhaus "Germania" eröffnet wurde, erhält im Rahmen einer umfassenden Restaurierung heute seine orginale kupferbeschlagene Rundkuppel zurück. Ein Kaufhaus wird das Haus allerdings nicht wieder.

1993

(19. April) Übergabe des ersten rekonstruierten Festungsabschnitts auf den Petersberg, der Bastion Kilian. Mehreren an der Wiederherstellung der Festungsanlage interessierten Sponsoren ist es zu danken, daß die Rekonstruktion sehr kostengünstig durchgeführt werden konnte. Unter anderem wurden die nach altem Vorbild neu angebrachten Wacherker gestiftet.

1993

(1. Mai) Am Eingang des Luisenparks wurde im Laufe des 20. Jh. das dritte Königin-Luise-Denkmal enthüllt. Es entstammt einer klassischen Vorlage von Christian Daniel Rauch und hofft als Huldigung an eine schöne und kluge Frau, weniger als Ehrenmal der preußischen Geschichte, die Zeiten zu überstehen und ein Schmuck für den Park zu sein.

1993

(10. Mai) Die Peterskirche auf dem Erfurter Petersberg wurde für den symbolischen Preis von 1,-- DM an das thüringische Wissenschaftsministerium verkauft. Somit ist nicht mehr die Treuhand-Gesellschaft, sondern das Land Thüringen der Eigentümer der romanischen Basilika.

1993

(16. Mai) Weltrekord auf dem Erfurter Domplatz: Die weltlängste Bratwurst mit einer Ausdehnung von 2.270 Metern, die mit 15.000 Brötchen und 100 kg Senf verzehrt wurde, ist vom Erfurter Fleischermeister K.-H. Siebert hergestellt und auf einem riesigen Spezialrost gebraten worden.

1993

(22. Mai) Der thüringische, aus Arnstadt stammende Maler und Grafiker Otto Knöpfer ist im Alter von 82 Jahren in Erfurt gestorben.

1993

(27. Mai) Die Evangelische Predigerschule Erfurt stellt mit einem Gottesdienst ihren Studienbetrieb ein, nachdem an dieser Ausbildungsstätte 45 Jahre lang Theologen ausgebildet worden waren.

1993

(9. Juni) Nach einem Entschluß des bisher in Kassel ansässigen Bundesarbeitsgerichtes soll diese Behörde, die nach Thüringen übersiedeln muß, nach Erfurt kommen. Die Stadt Erfurt stellt dafür einen Bauplatz am Petersberg zur Verfügung, auf dem ein gänzlich neues Bundesarbeitsgerichtsgebäude entstehen soll.

1993

(23. Juni) Im Ergebnis der thüringischen Theaterstrukturreform sollen Erfurt die städtischen Bühnen mit Schauspiel und Opernhaus, Ballett und Kindertheater als "Theater Erfurt" erhalten bleiben. Das Philharmonische Orchester wird herausgelöst, in eine GmbH umgewandelt und wesentlich verkleinert werden. Das Puppentheater und das Erfurter Kabarett werden selbständige Theatervereine gründen.

1993

(26. Juni) Das Andreas-Kammerorchester gibt anläßlich seines 100jährigen Jubiläums ein Konzert in der Augustinerkirche.

1993

(1. Juli) Ein Bildungswerk der Konrad-Adenauer-Stiftung wird unter Anwesenheit von Mitgliedern der CDU-Landesregierung und städtischer politischer Prominenz in der Thomas-Müntzer-Straße eröffnet.

1993

(15. Juli) Der Thüringer Landtag beschließt mit dem Neugliederungsgesetz die neue Kreisstruktur Thüringens, nach der es ab 1994 nur noch 17 thüringische Kreis und 5 kreisfreie Städte geben soll. Nach Erfurt sollen Orte des ehemaligen Erfurter Landkreises eingemeindet werden.

1993

(3. September) Symbolischer erster Knopfdruck für den Bau des Vieselbacher (Erfurter) Güterverkehrszentrums (GVZ), mit dem der thüringische Ministerpräsident Bernhard Vogel und der Chef der beiden deutschen Bahnen Heinz Dürr den ersten Gleisblock niedersenken. In Vieselbach entstehen auf einem Areal von 340 ha einer der größten Binnenumschlagsbahnhöfe für den kombinierten Verkehr, ein Frachtzentrum und ein Servicezentrum zur Wartung von Transportbehältern.

1993

(6. September) Eröffnung eines neuen innerstädtischen Hotels in der Barfüßerstraße.

1993

(6.-12. September) Denkmalschutzwoche in Erfurt. Aus diesem Anlaß wird das Sibyllentürmchen nach erfolgter Restaurierung der Öffentlichkeit übergeben. Der deutschlandweite Tag des offenen Denkmals, dessen Erfurter Variante mit "erfordia turrita" überschrieben ist, bietet den Erfurtern die Möglichkeit, eine große Zahl der sonst nicht zugänglichen Erfurter Türme zu besteigen.

1993

(1. Oktober) Seit heute gehört der Erfurter Teil des Strom- und Fernwärme-Versorgungsbetriebs ENAG als Strom und Fernwärme GmbH zu den Stadtwerken Erfurt. Gesellschafter der GmbH sind zu gleichen Teilen die Stadt Erfurt und die ENAG.

1993

(31. Oktober) Die Treuhandniederlassung Erfurt beendet die Privatisierung der ehemaligen volkseigenen Betriebe ihres Zuständigkeitsbereiches. 640 Betriebe wurden innerhalb von drei Jahren verkauft, über 3.000 Unternehmen reprivatisiert.

1993

(2. November) Die Stadt Erfurt erhält im Bundeswettbewerb "Erhaltung des historischen Stadtraums", bei dem sich 110 Städte um eine Auszeichnung beworben haben, eine Goldplakette.

1993

(3. November) Nachdem die Thuringia-Versicherung-Aktiengesellschaft, die 1853 in Erfurt begründet worden war, bereits 1990 an ihren Erfurter Stammsitz zurückgekehrt ist, eröffnet sie nun die Landesdirektion Ost in ihrem neuen Geschäftshaus in der Lutherstraße.

1993

(6. November) Feierliche Gründung der evangelischen Stadtakademie "Meister Eckehart", die ihr Domizil im Predigerkloster haben wird.

1993

(11. Dezember) Gründung der Erfurter Freimaurerloge "alpha ori", deren erster Großmeister Hans-Hermann Höhmann ist.

1993

(17. Dezember) Anläßlich der zum 31. Dezember 1993 bevorstehenden Schließung der Medizinischen Hochschule Erfurt findet im Festsaal des Erfurter Rathauses ein "Akademisches Requiem" statt. Der letzte Rektor der Hochschule, Prof. Dr. Walter Künzel, übergibt die Insignien der Hochschule zur Aufbewahrung an die Stadt Erfurt - in der Hoffnung, daß diese Aufbewahrung nicht von Dauer sein und die Amtskette einem zukünftigen Rektor einer medizinischen Fakultät an der Universität Erfurt einmal wiederverliehen werde.

1993

(22. Dezember) Der Thüringer Landtag verabschiedet das Gesetz zur Wiedergründung der Erfurter Universität, die für 6.000 Studenten ausgebaut werden soll und vornehmlich geisteswissenschaftliche Fächer anbieten wird.

1994

(14. Januar) Grundsteinlegung für ein Hotel hinter der Krämerbrücke. Einbezogen in den Hotelneubau wird der über 500 Jahre alte Gasthof "Zum Alten Schwan", der von einer Hotelgruppe dafür fast völlig neu restauriert und umgebaut wird.

1994

(21. Januar) Nach dreijähriger Restaurierung öffnet die Michaeliskirche mit einem feierlichen Gottesdienst wieder ihre Pforten.

1994

(6. Februar) Feierliche Gründung des Instituts für Evangelische Theologie Erfurt. Es wird an die Pädagogische Hochschule angegliedert mit der Aufgabe, Lehrer für den Religionsunterricht an Grund- und Regelschulen auszubilden.

1994

(17. März) In Erfurt-Bindersleben wird das TA-Druckhaus eingeweiht, in dem zukünftig die Tageszeitungen "Thüringer Allgemeine" und "Thüringische Landeszeitung" sowie die Anzeigenblätter der Zeitungsgruppe Thüringen gedruckt werden. Prominentester Gast anläßlich der Inbetriebnahme eines der leistungsstärksten Druckzentren in Europa und der Würdigung der größten Investition in der thüringischen Landeshauptstadt ist Bundeskanzler Helmut Kohl. Anschließend an seine Visite im Erfurter Druckzentrum stattet er der Innenstadt Erfurts einen Besuch ab.

1994

(24. März) Anläßlich des 75jährigen Jubiläums der Erfurter Volkshochschule findet im Erfurter Rathaus ein Festakt statt. Die Erfurter Volkshochschule war als eine der frühesten in Deutschland im April 1919 gegründet worden.

1994

(26. März) Auftakt des Dalberg-Jubiläums 1994 anläßlich des 250. Geburtstages des Erfurter Statthalters der Zeit von 1772 bis 1802 mit der Eröffnung der Dalberg-Wanderausstellung, die in allen "Dalbergorten" und zuerst in Erfurt gezeigt wird, durch den Oberbürgermeister M.O. Ruge und mit einem Kolloquium zum Thema "Carl Theodor von Dalberg (1744-1817) - Erzbischof und Staatsmann", das vom Verein für die Geschichte und Altertumskunde von Erfurt und der Stadt Erfurt veranstaltet wird.

1994

(1. April) Ab heute gehören drei Orte des Erfurter Landkreises, nämlich Alach, Ermstedt und Frienstedt, zur Stadt Erfurt. Die übrigen 14 Gemeinden, die laut Gesetz zur Neugliederung der Kreise in Thüringen nach Erfurt eingemeindet werden sollen, werden der Stadt am 1. Juli 1994 angegliedert.

1994

(13.-15. April) Nach 24stündigen Regenfällen in Mitteldeutschland, vor allem in Thüringen und im Harz, bei denen bis zu 100 Liter/m² Niederschlag fielen, sind weite Teile Thüringens von einem Jahrhunderthochwasser betroffen. Mehrere Flüsse wie Saale, Ilm, Gera und Hörsel, aber auch kleinere Bäche sind weit über die Ufer getreten und setzen Straßen, Gleise und Ortschaften "Land unter". In manchen Orten müssen Menschen aus ihren Häusern evakuiert werden, einige Dörfer, auch die Erfurter Ortsteile und Vororte Bischleben, Möbisburg und Molsdorf, sind vom Wasser eingeschlossen. Der Wasserstand der Gera liegt bei einem Pegel von 4 Metern über Normal; die Brücke an der Bahnhofsunterführung wird vom Wasser fast berührt. Der 1889 erbaute Erfurter Flutgraben hat sich unterdessen erneut bewährt, indem er die Stadt vor Hochwasser schützen konnte.

1994

(29. April) Feierliche Gründung der Erfurter Universität. 602 Jahre, nachdem die Erfurter Universität durch die Stadt Erfurt zum ersten Mal gegründet worden war, ist sie durch einen Festakt im Augustinerkloster als Universität des Landes Thüringen in Erfurt wieder gegründet worden. Während die mittelalterliche Universität Erfurt vier Fakultäten in sich vereinte und damit eine Volluniversität war, sind für die neue Universität sechs Fakultäten geplant (Wirtschaftwissenschaften, Jura, Sprach- und Literaturwissenschaften, katholische Theologie mit Martin-Luther-Institut, Kultur- und Sozialwissenschaften und Erziehungswissenschaften), mit denen sie jedoch nicht alle wissenschaftlichen Lehrfächer abdecken wird.

1994

(15. Mai) Eröffnung der für die Erfurter Stadtgeschichte bedeutsamen, seit 1990 restaurierten "Kaisersäle" in der Futterstraße als Kongreßzentrum und Ballsaal. Nachdem am Anfang des 18. Jh. aus mehreren Bürgerhäusern in der Futterstraße der Ballsaal der Erfurter Universität und spätere Musiksaal des Erfurter Konzertvereins entstanden war, das Gebäude zu Beginn des 19. Jh. mit einer klassizistischen Fassade verkleidet worden war, um den Fürstenkongreß in Erfurt in würdigem Aussehen zu empfangen, der Erfurter Parteitag der SPD 1891 darin stattgefunden hatte, der dem Gebäude für die nächsten rund 100 Jahre den Namen gab, und es nach 1945 dem Büromaschinenwerk Optima und der Stadt Erfurt als Kulturhaus gedient hatte, stand das Gebäude nach der Wende zunächst ohne Nutzung. 1990 gab es dann den Beschluß, das Gebäude instandzusetzen und zu restaurieren, um es als "Kaisersaal" wiederzueröffnen.

1994

(4. Juni) 100 Jahre elektrische Straßenbahn in Erfurt: 1894 rollte die erste elektrisch betriebene Straßenbahn auf der "roten Linie" von Ilversgehofen zur Flora. Aus diesem Anlaß gibt es ein Fest auf dem Domplatz, bei dem alle in Erfurt fahrenden Straßenbahntypen einschließlich der alten Traditionsbahn und der in diesem Jahr neu eingesetzten Niederflurstraßenbahn die Erfurter zu Ehrenrunden einladen.

1994

(7. Juni) Das Museum für Stadtgeschichte in Erfurt öffnet nach dreijähriger Restaurierung des Hauses zum Stockfisch und einer völligen Neukonzipierung der stadtgeschichtlichen Ausstellung wieder seine Pforten und lädt zur Besichtigung der ersten zwei Abteilungen, der ur- und frühgeschichtlichen Ausstellung und der Stadtbildentwicklung, ein.

1994

(12. Juni) Kommunalwahl: Wahl der Stadtratsmitglieder und des Oberbürgermeisters der Landeshauptstadt Erfurt. OB-Stichwahl am 26. Juni. Manfred O. Ruge (CDU) wird erneut zum Oberbürgermeister gewählt.

1994

(1. Juli) Die am 15. Juli vergangenen Jahres beschlossene Gebietsreform in Thüringen tritt in Kraft. Für die Stadt Erfurt bedeutet dies, daß der Landkreis Erfurt aufgelöst und dessen Gemeinden an andere Kreise angegliedert bzw. in die kreisfreie Stadt Erfurt eingemeindet werden. Erfurt wächst um 14 Dörfer, nämlich um Büßleben, Egstedt, Kerspleben, Kühnhausen, Linderbach-Azmannsdorf, Mittelhausen, Molsdorf, Niedernissa, Schwerborn, Stotternheim, Tiefthal, Vieselbach, Waltersleben und Windischholzhausen. Die Dörfer Alach, Ermstedt und Frienstedt sind bereits am 1. April 1994 eingemeindet worden. Im Herbst des Jahres 1994 wird Töttelstedt Ortsteil der Stadt Erfurt.

1994

(1.-3. Juli) Im Erfurter Steigerwald-Stadion finden die 94. Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften statt. Das Stadion ist für diese Veranstaltung mit einer neuen Tribüne ausgestattet worden. Die alte Holztribüne wurde am 16. Februar 1993 abgerissen.

1994

(8. Juli) Papst Johannes Paul II. erhebt das bisherige Bischöfliche Amt Erfurt-Meiningen zur Diözese. Dadurch wird Erfurt Bischofssitz, nachdem am 14. Juni 1994 durch die Unterzeichnung der entsprechenden Verträge zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Freistaat Thüringen die Gründung des Bistums Erfurt staatskirchenrechtlich abgesichert worden ist. Die Entstehung eines Bistums Erfurt ist Bestandteil der Neuordnung der Bistumsgrenzen nach der Wiedervereinigung Deutschlands.

1994

(20. August - 3. September) Nach lange abgerissener Tradition findet in diesem Jahr ein Erfurter Theatersommer auf den Domstufen statt. Gegeben wird Carl Orffs Kantate "Carmina Burana" als Musik- und Tanzaufführung.

1994

(6. September) Die thüringische Landesregierung beschließt in einer Kabinettsitzung den Abriß des Hauses der Kultur im Erfurter Hirschgarten (Abriß 1996). An dessen Stelle soll ein Musikzentrum gebaut werden, welches das hundertjährige Erfurter Opernhaus ersetzen wird.

1994

(11. September) Das Erfurter Stadttheater, das am 15. September 1894 im umgebauten Hellingschen Sommertheater, dem heutigen Opernhaus, seine Pforten öffnete, feiert in diesem Jahr zusammen mit seinem Theaterorchester das hundertjährige Bestehen. Ein Festakt im Opernhaus würdigt diese 100 Jahre Theatergeschichte in Erfurt.

1994

(17.-18. September) Die alljährliche Bistumswallfahrt thüringischer Katholiken nach Erfurt gilt in diesem Jahr der Errichtung des Bistums Erfurt (siehe 8. Juli). Der päpstliche Nuntius Lajos Kadar überreicht die Gründungsurkunde, die Ernennungsurkunde für den Bischof Joachim Wanke und den Bischofsstab. 164 katholische Gemeinden gehören dem Bistum Erfurt an.

1994

(6. Oktober) Auf dem Gelände des ehemaligen sowjetischen Militärkrankenhauses am Steiger wird mit dem Bau des thüringischen Regierungsviertels begonnen.

1994

(1. Dezember) Der Autobahnzubringer Süd-Ost wird freigegeben, der den Verkehr aus Erfurt an die Anschlußstelle Erfurt-Ost und zurück kreuzungsfrei an den Ortschaften Dittelstedt, Urbich und Niedernissa vorbeiführt. Die Dörfer haben jahrelang eine extreme Verkehrsbelastung ertragen müssen und können nun ihre durch die Straße zerschnittenen Ortskerne neu gestalten.

1994

(16. Dezember) Offizielle Übergabe der ehemaligen kurmainzischen Statthalterei in Erfurt an die Thüringer Staatskanzlei, die das Gebäude als Nutzer bezieht, nachdem zwei Jahre daran restauriert und gebaut worden ist.

1994

(21. Dezember) Der Stadtrat beschließt aus finanziellen Gründen, das Schloß Molsdorf, die Wasserburg Kapellendorf und die Burgruine Wanderslebener Gleiche aus dem Eigentum der Stadt Erfurt herauszulösen und der Stiftung des Landes Thüringen "Thüringer Schlösser und Burgen" zu übergeben.

1995

(6. Januar) Das Gebäude des alten Ratskellers am Fischmarkt, für das die Forschung Baureste bis in das 13. Jh. nachweisen kann, wird bis auf die Fassade und einen Teil der Außenwände abgerissen und soll bis 1996 als neugebaute Passage wiedererstehen, in der es auch einen Ratskeller geben wird.

1995

(18. Januar) Die Stadt Erfurt gibt ihre Zustimmung zum ICE-Projekt der Bahn. Danach soll der Erfurter Bahnhof für den Verkehr von Intercity- Hochgeschwindigkeitszügen ausgebaut werden. Um die ICE-Gleise unterzubringen, macht sich jedoch der Abriß des aus dem 19. Jh. stammenden denkmalgeschützten Inselgebäudes des Erfurter Hauptbahnhofs notwendig.

1995

(27. Januar) Einweihung des neuerrichteten Bürokomplexes "Thüringenhaus" am Juri-Gagarin-Ring. Das Gebäude wird neben Firmenbüros das thüringische Ministerium für Wissenschaft und Kultur und das Erfurter Amtsgericht aufnehmen.

1995

(9. Februar) Die Friedrich-Ebert-Stiftung eröffnet eine Bildungs- und Begegnungsstätte in Erfurt, die nach dem thüringischen Politiker Hermann Brill benannt wird.

1995

(13. Februar) In der Schlösserstraße beginnen die Bauarbeiten zu einem weiteren, dem Gebäude eines Bekleidungs-Kaufhauses gegenüberstehenden Kaufhaus. An dieser Stelle hatte bis 1945 das Kaufhaus Reibstein gestanden, das dann einem Bombenangriff zum Opfer gefallen war. Nach 1945 war die Fläche nicht bebaut und zu einer kleinen innerstädtischen Grünfläche gestaltet worden.

1995

(16. Februar) Übergabe der ehemals der theologischen Fakultät an der Alten Universität Erfurt gehörenden Zepter durch den Rektor der Universität Münster an das Stadtmuseum, wo die Zepter als Dauerleihgabe verbleiben sollen.

1995

(25. Februar) Mit einer Andacht in der Ruine des Augustinerklosters und der Aufführung von Mozarts Requiem wird der Zerstörung des Klosters durch einen britischen Luftangriff vor 50 Jahren gedacht, bei dem 267 im Keller des Klosters Schutz suchende Erfurter umgekommen sind.

1995

(28. Februar) Einweihung des neuen Gebäudes der Industrie- und Handelskammer Erfurt, des neuen Stadttores an der Schmidtstedter Straße.

1995

(1. März) Der Gemeinde- und Städtebund Thüringens eröffnet seinen Sitz in der restaurierten Alfred-Hess-Villa in der Richard-Breslau-Straße.

1995

(4. März) Mit Empfängen für die ausführenden Baubetriebe und geladene Gäste sowie mit einem Tag der offenen Tür für die Erfurter werden die Thüringer Staatskanzlei und der Sitz des thüringischen Ministerpräsidenten in der restaurierten kurmainzischen Statthalterei offiziell eröffnet und eingeweiht.

1995

(5. März) Nach 27jähriger provisorischer Unterbringung seiner Bestände eröffnet heute das Naturkundemuseum Erfurt in einem eigenen Gebäude in der Großen Arche eine museale Dauerausstellung. Ein ehemaliger Waidspeicher, der nunmehr das Museum beherbergt, ist dafür hergerichtet worden.

1995

(14. März) Einweihung der neuen Räume des Erfurter Stadtarchivs. Wegen Raummangels ist das Stadtarchiv in den Monaten August und September 1994 aus seinen angestammten Räumen in der Meister-Eckehart-Straße ausgezogen und hat ein aus den 80er Jahren stammendes, jedoch in der Erfurter Altstadt gelegenes Gebäude in der Gotthardtstraße 21 bezogen.

1995

(27. März) Grundsteinlegung für das Verwaltungszentrum der Sparkassen-Finanzgruppe Thüringen, das auf dem Gelände der ehemaligen Gärtnerei Benary in der Gorkistraße entstehen wird.

1995

(4. April) Die auf über 150 Mitglieder angewachsene jüdische Landesgemeinde hat seit heute und nunmehr seit vierzig Jahren wieder einen Kantor und Religionslehrer. Der aus Israel stammende, aber in Deutschland lebende Menachem Golan stellt sich heute in Erfurt vor.

1995

(25. April) Auch in Erfurt-Süd, an der Stadtausfahrt Rudolstädter Straße, da wo sich vormals Blumenkohlfelder erstreckten, entsteht nun ein weiteres Einkaufszentrum. Kernstück des 120.00 m² großen, nunmehr betongeprägten Geländes ist das Autohaus Glienicke, das am heutigen Tag öffnet.

1995

(26. April) Eröffnungsgala im wiedererstandenen "Ufa-Palast" in der Bahnhofstraße, dem vormaligen Panorama-Palast-Kino. Gleichzeitig können in 9 Kinosälen für insgesamt 1950 Kinozuschauer Filme gezeigt werden.

1995

(8. Mai) Die Stadt Erfurt gedenkt anläßlich des 50. Jahrestages des Kriegsendes am 8. Mai 1945 der Opfer, die in den Kriegsjahren bei Bombenangriffen auf Erfurt ums Leben kamen. Dazu wurden das Gräberfeld, an das bisher erdnahe Gedenksteine erinnert hatten, im Stile von Soldatenfriedhöfen mit Steinkreuzen neu gestaltet und Kränze niedergelegt. Am Denkmal für in Erfurt umgekommene polnische Fremdarbeiter und Kriegsgefangene im Südpark legt eine Delegation der polnischen Partnerstadt Kalisz ein Gebinde nieder. Der Bund der Vertriebenen erinnert mit einer Kranzniederlegung auf dem Hauptfriedhof hauptsächlich an die mit dem Ende des Krieges einsetzende Vertreibung der Deutschen.

1995

(8. Mai) Am Ringelberg wird der erste Spatenstich für eine Wohnanlage großer Dimension getan. Bis zum Jahre 2000 sollen auf dem Gelände 2.700 Wohneinheiten (30% Häuser, 70% Wohnungen für 7.000 Menschen, darunter 500 Sozialwohnungen) entstehen.

1995

(27. Mai) Tausende von Besuchern kommen zur Multimedia-Show "Ars via regia" auf den Domplatz. Die Veranstaltung steht aus Anlaß des 50. Jahrestages der Beendigung des Zweiten Weltkrieges im Zeichen von Krieg und Frieden.

1995

(29. Mai bis 4. Juni) Auf dem Petersberg findet die Festwoche zum 330. Jubiläum der Grundsteinlegung der Zitadelle Petersberg statt. Aus diesem Anlaß wird die unlängst entdeckte und nach historischen Vorlagen restaurierte Festungsbäckerei im Kellergewölbe der Defensionskaserne in Betrieb genommen. Nach 60 Jahren wird in der Zitadelle Petersberg wieder Brot gebacken.

1995

(31. Mai) Zum 45jährigen Bestehen der Musikschule Erfurt findet im Festsaal des Rathauses ein Konzert statt.

1995

(10. Juni) Eröffnung der "Configura 2 - Dialog der Kulturen". Mit der bis zum 10. September in den Ausstellungsräumen des Angermuseums und der Galerie am Fischmarkt, im Kulturhof "Zum Güldenen Krönbacken", im Freiraum der Barfüßerkirche und im "Felsenkeller" unterhalb des Domberges stattfindenden Ausstellung ist die Hoffnung verbunden, daß sich Erfurt neben Kassel und Venedig endgültig als einer der wichtigsten Ausstellungsorte in Europa behaupten möge.

1995

(30. Juni) Das traditionsreichste Erfurter Hotel, der Erfurter Hof, wird geschlossen. Für den Betrachter hat sich der Niedergang des Hauses seit langem mit der Schritt für Schritt erfolgten Schließung sämtlicher öffentlicher Restaurants abgezeichnet. Die Zukunft des Hauses ist unklar.

1995

(1. Juli) Nach erfolgter Dreiteilung der ehemals einheitlichen Erfurter Gartenbauausstellung in ein Messegelände (Westteil), das Gelände des MDR-Funkhauses (Mittelteil) und einen Park (Ostteil) im Herbst 1994 übernimmt die Stadt Erfurt ab dem heutigen Tag die gestalterische, verwaltungsmäßige und finanzielle Verantwortung für den Parkteil der ega, der sich vom Haupteingang des Geländes bis zum Gothaer Platz erstreckt.

1995

(6. Juli) Die Stiftung der Sparkasse für Kultur, Wissenschaft, Umwelt und Sport verleiht zum ersten Mal den "Erfurter Silberpfennig", eine Orginalmünze aus dem Jahre 1632, verbunden mit einem Preis von 7.000 DM, an die ökumenische Hospizgruppe Erfurt für ihr Engagement im sozialen Bereich.

1995

(13. Juli) Nach zwei Jahren Vorbereitung beginnt mit dem Abriß der ersten Gebäude die bauliche Umgestaltung des Brühls, wo bis zum Jahre 2000 Menschen wohnen und noch mehr Menschen arbeiten sollen. Bisher war dieser Stadtteil Betriebsgelände gewesen.

1995

(12. August) Mehr als 4.500 Besucher und Sportprominenz feiern im Erfurter Nordbad, dem größten Freibad der Stadt, den 70. Jahrestag der Einweihung des Volksbades.

1995

(1. September) Enthüllung des Denkmals für den unbekannten Wehrmachtsdeserteur auf dem Petersberg. Das vom Erfurter Rat nach vielfacher Diskussion befürwortete Denkmal wird auch zukünftig für Diskussionen sorgen und Anlaß zur Auseinandersetzung mit der Geschichte geben.

1995

(4. September) Mit der offiziellen Übergabe des restaurierten Denkmals Christian Reicharts, des Begründers des Erfurter Erwerbsgartenbaus, an der Pförtchenbrücke wird die diesjährige Woche des Denkmalschutzes eröffnet.

1995

(13. September) Die erste UNICEF-Arbeitsgruppe Thüringens wird in Erfurt im Beisein zahlreicher Ehrengäste der Stadt, des Landes und der Kölner UNICEF-Zentrale gegründet. Die Aktivitäten der Erfurter Arbeitsgruppe reichen bis in das Jahr 1991 zurück.

1995

(15. September) Anläßlich des 25jährigen Bestehens der Stadtharmonie findet im Kaisersaal ein festliches Konzert statt.

1995

(21. September) Das Verwaltungsgebäude der Landesversicherungsanstalt Thüringen in der Kranichfelder Straße, das in den letzten zwei Jahren unter Nutzung der vorhandenen Kasernengebäude erbaut wurde, wird offiziell übergeben. In dem Komplex sind auch drei Berufsgenossenschaften untergebracht.

1995

(5. Oktober) Mit dem "Thüringen-Park" öffnet das größte regionale Einkaufszentrum zwischen Harz und Thüringer Wald seine Pforten. Zu den bestehenden Objekten werden noch ein Bürokomplex und Dienstleistungsbetriebe hinzukommen.

1995

(14. Oktober) 13. Internationales Kolloquium der Deutschen Gesellschaft für Festungsforschung. In- und ausländische Gäste zollen der Arbeit an der Zitadelle Petersberg große Anerkennung.

1995

(18. Oktober) Festveranstaltung zum 150jährigen Bestehen der Industrie- und Handelskammer Erfurt im Kaisersaal. An dem Festakt nimmt auch Bundeskanzler Helmut Kohl teil.

1995

(25. Oktober) Der Stadtrat beschließt den Bau eines Dreispartentheaters am Hirschgarten. Dazu wird ein Architekturwettbewerb ausgeloßt werden.

1995

(10. November) Auftakt zum Luther-Jahr 1996 in Deutschland auf dem Domplatz. Anlaß ist der 450. Todestag des Reformators. Rund 60.000 Menschen nehmen am diesjährigen Martinsfest teil. Die Gedenkfeier zur Eröffnung wird vom Dresdner Kreuzchor in der Kaufmannskirche gestaltet. Für das Jahr 1996 sind Gottesdienste, Ausstellungen, Konzerte und Vorträge geplant.

1995

(10. November) Der Wissenschaftsrat der Bundesrepublik gibt seine Zustimmung zum Strukturkonzept der Erfurter Universität. Am 1. Januar 1996 soll am Max-Weber-Kolleg Studienbeginn sein.

1995

(27. November) Im Dacherödenschen Haus wird der Ortsverein Erfurt der Goethe-Gesellschaft Weimar wiedergegründet.

1995

(8. Dezember) Der neue Flughafentower wird offiziell in Betrieb genommen. Er ersetzt den 1964 erbauten Kontrollturm. Der neue Turm erlaubt den Fluglotsen in 36 Meter Höhe einen sicheren Rundumblick und ist mit modernster Technik ausgestattet. Diese und weitere Investitionen sorgen für eine bessere Einbindung Thüringens in das deutsche und das weltweite Luftverkehrsnetz.

1995

(31. Dezember) In der Frauenklinik des Erfurter Klinikums erblickt am letzten Tag des Jahres das 1.340 im Jahre 1995 geborene Kind das Licht der Welt. Damit gibt es nach dem starken Geburtenrückgang seit 1990 wieder einen leichten Geburtenanstieg. Im Jahre 1994 sind nur 1.178 Kinder in dieser Klinik geboren worden.



Quelle der Stadtchronik: Archivrat Bodo Fischer, Stadt- und Verwaltungsarchiv Erfurt


Seitenanfang
Stadtchronik 9.Teil Hauptseite Auswahlseite

Alle Rechte vorbehalten, HP 4.0 Copyright © 1996-2020 by @.f.k.